Buddy Projekt: Gemeinsam ankommen

Angehende Erzieher:innen und Schüler:innen der Internationalen Förderklassen

Buddy Projekt: Gemeinsam ankommen

„Wer von euch spielt Fußball?“ Einige Jugendliche treten nach vorne. Andere bleiben stehen. Dann die nächste Frage und wieder bewegt sich die Gruppe. Noch kennen sich viele der Jugendlichen nicht. Doch genau das soll sich ändern.

Jeden Mittwoch in der dritten Stunde verwandelt sich die Otto-Pankok-Halle des Berufskollegs in einen besonderen Unterrichtsraum. Die beiden neuen Internationalen Förderklassen (IFK) treffen auf die Mittelstufe der Fachschule für Sozialpädagogik. Im Rahmen des Buddy-Projekts gestalten die angehenden Erzieherinnen und Erzieher jede Woche Spiele und Übungen, die das gegenseitige Kennenlernen erleichtern.

„Wir sind hier auf Augenhöhe.“

Anfang Oktober haben Dilwin, Gülcan und Sude die Gruppenleitung übernommen. Ihr Thema: Hobbys. Zunächst geht es darum, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Danach folgt eine Hobby-Kettenreaktion, bevor die Jugendlichen zum Abschluss Hobbys pantomimisch darstellen. Die Spiele bauen aufeinander auf und bieten viele Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Denn den drei Studierenden ist wichtig, dass die Jugendlichen sich ernst genommen fühlen. „Sie sollen sich nicht so vorkommen, als ob sie Kinder wären“, sagt Dilwin. Sude ergänzt: „Wir sind hier auf Augenhöhe.“

Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt sich nicht nur an den vielen lachenden Gesichtern in der Halle. Auch die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklassen erzählen begeistert von ihren Erfahrungen. „Es macht richtig Spaß, wir lachen sehr viel und lernen dabei Deutsch“, berichten Heba und Sara. Anna, Ohla und Maria erleben die gemeinsamen Stunden ähnlich: „Wir lernen hier mit viel Spaß Deutsch und kommen mit anderen Lernenden der Schule in Kontakt.“

Für Elena ist besonders wichtig, dass sie sich willkommen fühlt: „Ich finde es schön, dass die anderen Schüler so nett zu uns sind und mit uns Zeit verbringen.“ Aus ihrer Zeit in Italien bringt sie bereits Erfahrungen mit gemeinschaftlichen Aktivitäten mit. Dort war sie Trainerin für Kindertanzen. „Ich arbeite und lerne gerne in Bewegung und mit anderen zusammen“, erzählt sie. Dass Lernen nicht nur am Tisch stattfinden muss, erlebt sie nun auch am Berufskolleg.

Die Freude an den gemeinsamen Stunden ist auch für die Lehrkräfte Frau Slusarek und Frau Heuer deutlich spürbar. Sie erleben, wie Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht sonst eher ruhig sind, in der Gruppe aus sich herauskommen und sich aktiv beteiligen. Die Jugendlichen zeigen dabei Seiten von sich, die im regulären Unterricht nicht immer sichtbar werden. Für die beiden Lehrkräfte ist das Buddy-Projekt deshalb eine besonders wirkungsvolle Unterrichtsform, mit vielen lächelnden Gesichtern und Gelegenheiten, sich auf neue Weise kennenzulernen.

Doch nicht nur die IFK-Schülerinnen und -Schüler profitieren von den Begegnungen. Auch die angehenden Erzieherinnen und Erzieher sammeln Erfahrungen, die für ihren späteren Beruf wichtig sind. „Es ist so schön, dass man helfen kann. Das passiert dann nicht nur hier in der Schule, sondern auch draußen“, erzählt Gülcan. Inzwischen werden Telefonnummern ausgetauscht und Kontakte entstehen, die über die gemeinsame Unterrichtsstunde hinausgehen. „Ich habe zum Beispiel einem Schüler von meiner jesidischen Gemeinde erzählt und ihm gesagt, dass er gerne kommen kann.“

Auch Dilwin beschreibt, wie sich die Rolle der Studierenden verändert: „Man fühlt sich einfach verantwortlich dafür, dass sie hier was mitnehmen.“

Für Sude ist das Projekt zugleich eine persönliche Herausforderung. Vor einer Gruppe fremder Jugendlicher zu sprechen, hat sie zunächst Überwindung gekostet. „Ich habe mich echt überwunden, vor fremden Jugendlichen zu sprechen. Das ist auch das, was ich in der Zukunft machen werde. Das ist eine tolle Erfahrung!“

Für alle drei spielt auch die eigene Geschichte eine Rolle. Sude hat familiäre Wurzeln in der Türkei, Gülcan und Dilwin haben eine kurdische Herkunft. Gülcans Familie stammt aus dem Südosten der Türkei und Dilwins Familie aus dem Nordosten Syriens. Ihre unterschiedlichen familiären und sprachlichen Erfahrungen bringen sie auch in die gemeinsamen Stunden ein. Sie wissen, wie hilfreich es sein kann, wenn jemand eine vertraute Sprache spricht oder aufmerksam nachfragt.

Das zeigt sich auch bei der Gestaltung der Spiele. Manchmal wird ein Seil eingesetzt, damit die Jugendlichen gemeinsam mitmachen können, ohne sich berühren zu müssen. Gelegentlich können die drei Studierenden auch übersetzen oder etwas in einer vertrauten Sprache erklären. Doch längst nicht alles muss übersetzt werden. Wenn die richtigen Worte fehlen, helfen Gestik, Mimik und Vormachen. Dabei lernen auch die Studierenden, Regeln anschaulicher zu erklären, häufiger nachzufragen und aktiv Kontakt aufzunehmen.

Wie wichtig diese Kontakte sind, bringt auch Kdsan auf den Punkt: Es sei sehr gut, mit anderen Schülerinnen und Schülern der Schule in Kontakt zu kommen. „Es macht sehr viel Spaß.“

So entstehen Woche für Woche neue Begegnungen, aus denen mehr werden kann als eine gemeinsame Unterrichtsstunde. Die Jugendlichen lernen Deutsch, entdecken Gemeinsamkeiten und knüpfen Kontakte. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher sammeln praktische Erfahrungen, übernehmen Verantwortung und erleben, wie unterschiedlich Menschen sein können und wie viel sie dennoch miteinander verbindet.

Auf die Frage, ob das Projekt weitergehen soll, gibt es bei Dilwin, Gülcan und Sude ein einstimmiges, freudiges Ja. Und auch die Rückmeldungen aus den Internationalen Förderklassen zeigen: Die gemeinsamen Stunden kommen an. Denn manchmal braucht es gar nicht viele Worte, um miteinander in Kontakt zu kommen. Manchmal reichen ein Spiel, ein gemeinsames Lachen und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.

BKM, 10/2026