Europa-Team
Job-Shadowing in Turin:
Den italienischen Lehrkräften im Zweitsprachunterricht über die Schulter geschaut oder: wie wäre es mal mit Unterricht „hinter Gittern“?
Im Rahmen einer Erasmus+ Fortbildung – organisiert von der Koordinierenden Geschäftsstelle Wirtschaft und Bildung – durfte Lehrerin Brita Wrona-Gertz mit 15 Kolleginnen und Kollegen verschiedener Berufskollegs aus NRW italienische Lehrkräfte an berufsbildenden Einrichtungen bei ihrer Arbeit begleiten. Die Lehrerinnen und Lehrer gewannen authentische und tiefe Einblicke in die Arbeit mit Heranwachsenden und Erwachsenen an berufsbildenden Einrichtungen in Turin.
Dabei stand vor allem der Zweitspracherwerb – in diesem Fall Italienisch – im Vordergrund. So hospitierten die Lehrkräfte in Alphabetisierungskursen, Förderunterricht und Sprachunterricht auf verschiedenen Niveaustufen und mit Menschen unterschiedlichen Alters und Herkünften.
Im Anschluss fand jeweils ein Austausch mit Lehrkräften in den verschiedenen Bildungseinrichtungen statt, außerdem Schulbesichtigungen und Vorträge. Parallelen und Unterschiede zum deutschen Bildungssystem im Bereich DaF/DaZ wurden diskutiert und die potentielle Übertragbarkeit auf deutsche Einrichtungen reflektiert.
Ganz besonders beeindruckend war der Besuch einer Schule in der Turiner Justizvollzugsanstalt „Lorusso e Cotugno“, die ein breites Angebot schulischer Bildungsangebote bietet. Für die nordrheinwestfälischen Lehrkräfte war dies eine einmalige und spannende Möglichkeit, ein Gefängnis von innen zu sehen und Schulunterricht hinter Gittern zu erleben.
Aber auch der Besuch der anderen berufsbildenden Schulen CPIA2 und das sehr renommierte „Istituto Tecnico Industriale Statale G.B. Pininfarina“ hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Die zuletzt erwähnte Schule ist eine der modernsten technischen Oberschulen Norditaliens, die mit Laboren und Funktionsräumen bestens ausgestattet ist.
Doch unabhängig von Lage und infrastruktureller Ausstattung der sehr unterschiedlichen Schulen fiel auf: die menschliche Seite und das Engagement der Lehrenden sind im (Sprach)unterricht letztendlich das Entscheidende, um anderssprachige Heranwachsende und Erwachsene erfolgreich zu unterstützen und zu integrieren.
WN, 6/2026

