Vortragsveranstaltung im Forum des Berufskollegs
Starker Zuspruch für den Vortrag des jüdischen Rappers Ben Salomo zum Thema Antisemitismus
Die Veranstaltung „Deutscher Rap will keine Juden in seinem Ghetto – Antisemitismus in der deutschen Rap-Szene und der Jugendkultur“ mit dem Künstler und Publizisten Ben Salomo, die in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt und von der Lehrerin Frau Liese organisiert wurde, war ein voller Erfolg. Die Veranstaltung stieß auf ein deutlich größeres Interesse als ursprünglich erwartet. Circa 140 Besucherinnen und Besucher unterschiedlicher Bildungsgänge aus allen drei Abteilungen und sogar zwei ehemalige Schüler haben den Vortrag erlebt. Ben Salomo ist nicht nur Rapper, sondern war auch der kreative Kopf und Produzent hinter „Rap am Mittwoch“, einem der einflussreichsten Battle-Rap-Formate Deutschlands, das maßgeblich zu seiner Popularität insbesondere bei Jugendlichen beitrug.
Besonders eindrucksvoll waren die persönlichen Erfahrungen des Referenten. Ben Salomo berichtete von antisemitischen Anfeindungen, die er bereits als Kind erleben musste. Er schilderte, wie das Wort „Jude“ vielfach als Schimpfwort verwendet werde und wie jüdische Menschen auch heute noch im Alltag mit Vorurteilen und Ausgrenzung konfrontiert seien. Dabei verwies er darauf, dass viele jüdische Menschen in Deutschland regelmäßig antisemitische Erfahrungen machen und deshalb oftmals ein besonderes Maß an Wachsamkeit entwickeln müssen.
Auch seine Laufbahn als erfolgreicher Rapper floss in den Vortrag ein. Ben Salomo erklärte, wie ihm die Musik geholfen habe, mit Diskriminierungserfahrungen umzugehen und eine eigene Stimme zu finden. Gleichzeitig schilderte er, dass er auch in der Musikszene und insbesondere im Rap-Bereich wiederholt antisemitischen Äußerungen begegnet sei. Seine Erfahrungen machten deutlich, dass Antisemitismus längst kein historisches Problem ist, sondern auch heute in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar wird.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand das Thema Antisemitismus und seine Erscheinungsformen in der heutigen Gesellschaft. Ben Salomo verdeutlichte den Teilnehmenden, dass Antisemitismus häufig nicht offen erkennbar ist, sondern sich oft versteckt in Sprache, Vorurteilen, sozialen Medien und gesellschaftlichen Debatten zeigt. Dabei betonte er, dass Antisemitismus nicht angeboren sei, sondern erlernt werde und deshalb Aufklärung sowie Sensibilisierung eine zentrale Rolle spielen. Antisemitismus wird oft durch die Verbreitung von Lügen, Vorurteilen und Gerüchten über Jüdinnen und Juden genährt und verstärkt.
Anhand aktueller Statistiken wurde aufgezeigt, dass die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland in den letzten Jahren um ein Vielfaches gestiegen ist. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die tatsächliche Zahl antisemitischer Vorfälle durch eine hohe Dunkelziffer vermutlich deutlich höher ist. Insbesondere die Verbreitung antisemitischer Inhalte über soziale Netzwerke und digitale Medien stellt eine zunehmende Herausforderung dar.
Mittels der Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) erläuterte Ben Salomo, wie Antisemitismus entstehe und welche Formen er heute annehme. Dabei äußerte er, dass antisemitische Vorurteile häufig auf Verschwörungserzählungen und über Generationen weitergegebenen Stereotypen beruhten. In einem interaktiven Teil des Vortrags stellte er typische Vorurteile vor und verdeutlichte, wie tief diese teilweise noch immer in den Köpfen verankert sind.
Zuletzt machte Ben Salomo imposant deutlich, dass Antisemitismus nicht nur eine Gefahr für jüdische Menschen darstelle, sondern für die gesamte demokratische Gesellschaft. Er betonte, dass Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit häufig bei einer Gruppe beginnen würden, sich jedoch schnell auf weitere gesellschaftliche Gruppen ausweiten könnten. Umso wichtiger sei es, dass Kinder und Jugendliche in einer demokratischen, respektvollen und offenen Gesellschaft aufwachsen.
Der Vortrag zeigte eindrücklich, wie wichtig Bildung, demokratische Werte und gesellschaftliches Engagement im Kampf gegen Antisemitismus sind. Die Teilnehmenden nahmen viele Impulse mit und zeigten sich dankbar für den offenen Diskurs auf Augenhöhe. Seine Ausführungen regten zum Nachdenken an und hinterließen bei vielen Gästen nachhaltige Eindrücke.
Dies wurde z.B. innerhalb der anschließenden Reflexion im Religionsunterricht offensichtlich, wo eine positive Resonanz geäußert wurde, sodass die Lernenden angaben, von solchen Veranstaltungen in ihrer persönlichen Entwicklung zu profitieren. Zugleich bedauerten viele Schülerinnen und Schüler, dass es derartige Angebote viel zu selten gebe. Schön wäre es also, wenn wir künftig Ben Salomo und die Vertreterinnen und Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. für politische Bildung künftig regelmäßig als Gäste am Berufskolleg Dinslaken begrüßen dürfen.
Die Organisatorin bedankt sich bei Ben Salomo für seinen eindrucksvollen Vortrag sowie bei der Konrad-Adenauer-Stiftung für die professionelle Durchführung der Veranstaltung.
Ein herzlicher Dank gilt zudem allen Kolleginnen und Kollegen des Berufskollegs Dinslaken für ihre tatkräftige Unterstützung sowie dem Publikum für sein großes Interesse und die aktive Mitwirkung.
LIES, 7/2026
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