Jugendtheater mit der Burghofbühne Dinslaken

Wenn der Kühlschrank zum Spiegel wird

Burghofbühne mit „Müsli vor dem offenen Kühlschrank“ am BKDin

Von Gabriele Fengels
presse@bkdin.de

Ein offener Kühlschrank, kaltes Licht, nächtliche Stille – und eine 16-Jährige auf der Suche nach sich selbst. Mit dem Jugendstück „Müsli vor dem offenen Kühlschrank“ von Spencer Renee Freudenberg verwandelte die Burghofbühne Dinslaken die Aula des Berufskollegs Dinslaken in einen Raum zwischen Sommernächten, Selbstzweifeln und ersten großen Gefühlen. Der Kühlschrank ist dabei mehr als Requisite: Er ist Bild und Bühne zugleich. Wie ein analoger Instagram-Feed wird er zum Ort des Suchens – man öffnet ihn, schaut hinein, hofft auf einen Impuls. Im Stück steht er offen, vielleicht als  Symbol für die Verletzlichkeit der Protagonisten. Was sichtbar wird, sind Sehnsüchte, Unsicherheiten, Fragen nach Zugehörigkeit und Identität.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung des
Fördervereins Berufskolleg Dinslaken e. V.,
der die kulturelle Bildung am BKDin seit vielen Jahren großzügig stärkt.

Im Zentrum des Stücks steht Emma. Zwischen ihrem besten Freund Lukas, der ihr bei einem Konzert leidenschaftlich den Song Heroes von David Bowie widmet, und Ingrid – selbstbewusst, frei und queer – beginnt für sie ein Sommer der Selbstentdeckung. Was als Bewunderung startet, wächst zur Verliebtheit. Und plötzlich geht es um eine grundlegende, tiefe Frage: Wen liebe ich – und darf ich das?

Die Aufführung überzeugte durch Tempo und Natürlichkeit. Humorvolle Schlagabtausche wechselten mit stillen, beinahe schmerzhaft ehrlichen Momenten. Unter den Schülerinnen und Schülern war spürbar, dass das Thema Geschlechteridentität und queere Lebensrealität nicht allen gleichermaßen vertraut ist. Manche Szenen erzeugten ein konzentriertes Schweigen, hier und da auch ein vorsichtiges Räuspern. Doch statt Distanz zu schaffen, schien genau diese Reibung einen Denkprozess in Gang zu setzen. Das Bühnengeschehen forderte nicht Zustimmung, sondern Aufmerksamkeit.

Im anschließenden Gespräch nahm sich das Ensemble der Burghofbühne Zeit für Fragen und Perspektiven. Dabei wurde deutlich: Theater kann ein sicherer Raum sein – ein Ort, an dem unterschiedliche Sichtweisen nebeneinanderstehen dürfen.

„Müsli vor dem offenen Kühlschrank“ ist ein sensibles, mutiges Kammerspiel über Selbstbestimmung und Zugehörigkeit – und ein Beweis dafür, wie wichtig es ist, jungen Menschen Räume zu eröffnen, in denen Fragen erlaubt sind.

Vielleicht bleibt am Ende des Stücks genau dieses Bild: Eine offene Tür, ein Licht im Dunkeln – und der Mut, hineinzuschauen.

Offen steht nicht nur queeren Schülerinnen und Schülern ganz in diesem Sinne am Berufskolleg Dinslaken tatsächlich eine Tür: Das “Café Queer” lädt regelmäßig als geschützter Raum ein zum Kennenlernen und Verweilen und zum Gespräch. Und auch hier gilt: Mutig sein, hineinschauen und auf Andere zugehen.

Fen, 3/26