Vielfalt leben: Gemeinschaftsabend in der Fastenzeit am Berufskolleg Dinslaken
Von Gabriele Fengels
presse@bkdin.de
Ein seltenes Zusammentreffen: Der muslimische Fastenmonat Ramadan und die christliche Fastenzeit begannen in diesem Jahr am selben Tag. Menschen beider Religionen verzichten, halten inne, besinnen sich und pflegen das Zusammensein – ein Anlass wie geschaffen für das in diesen Zeiten so wichtige interkulturelle Miteinander.
Unter dem Motto „Vielfalt leben” fand darum im Forum des Berufskollegs Dinslaken ein ganz besonderer Abend statt: Schüler:innen, Lehrkräfte und Schulleitung sowie Gäste kamen zusammen, um miteinander über die Bedeutung des Fastens in verschiedenen Religionen zu sprechen und anschließend am reichhaltigen Buffet gemeinsam das Fastenbrechen zu feiern.
Schulleiter Florian Eckert betonte in seiner Begrüßung die besondere Vielfalt der Schulgemeinschaft am Berufskolleg. Rund 1800 Schüler:innen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen lernen hier miteinander und voneinander. Diese Vielfalt sei eine große Bereicherung, aber auch eine herausfordernde Aufgabe, die täglich aufs Neue bewältigt werden müsse. Gerade in einer Zeit, in der Konflikte weltweit zunehmend gewaltsam ausgetragen werden, setze das Schulleben ein wichtiges Zeichen: „Unsere Schülerinnen und Schüler zeigen jeden Tag, dass ein respektvolles und friedliches Zusammenleben möglich ist. Unterschiedliche Herkunft, Religion oder Sprache stehen einem aufgeschlossenen und kooperativen Miteinander nicht im Weg – im Gegenteil: Sie eröffneten neue Perspektiven, Denkweisen und Erfahrungen.”
Beigeordnete der Stadt Dinslaken Dr. Tagrid Youssef freute sich über die Einladung und berichtete über eigene Erfahrungen mit dem Fasten. Auch Cengiz Kaya vom Verein Millennium, der selbst einige Stunden an der Schule Förderstunden gibt, zeigte sich begeistert vom Programm des festlichen Abends.
Gestaltet wurde die Veranstaltung von Schüler:innen der internationalen Förderklassen ZSIF1 und ZSIF2 sowie von den Klassen SFEU1 und SFEM1 der Fachschule des Sozialwesens (Sozialpädagogik) im Rahmen des “Buddy”-Projekts, das solche gemeinsamen Aktionen von Klassen verschiedener Bildungsgänge ermöglichen und gegenseitiges Verständnis fördern soll.
In den vergangenen Wochen hatten die Schüler:innen, unterstützt von Bildungsgangleiterin Corinna Heuer, den Klassen- und Fachlehrerinnen Michaela Bondarowicz-Kaesling und Katja Güney sowie Fachlehrer Markus Backwinkel, Einladungen gestaltet, das Forum eingerichtet, Redebeiträge geschrieben und ein abwechslungsreiches Buffet vorbereitet. Auch ein weiteres Kunstprojekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler Manni Hallen, der mit seiner Frau der Feier beiwohnte. Mit beeindruckenden Werken setzten sich die Schüler:innen kreativ mit dem Thema Vielfalt auseinander. Die Skulpturen konnten während der Veranstaltung betrachtet werden. „Kunst fragt nicht nach Sprache, Herkunft oder Akzent. Sie fragt nach Ideen, Mut und Ausdruck.”, so Lehrerin Katja Güney in ihren einleitenden Worten.
Ganz im Zeichen des Fastens stand der Abend. Dabei wurde deutlich, dass unterschiedliche Religionen zwar verschiedene Traditionen haben, jedoch grundlegende wichtige Werte teilen: Selbstdisziplin, Achtsamkeit und Mitgefühl.
Lehrerin Leyla Geyik-Yilmaz erläuterte den Gästen die Bedeutung des Ramadans im Islam: Der Fastenmonat richtet sich nach dem islamischen Mondkalender und dauert etwa 30 Tage. Während dieser Zeit verzichten gläubige Muslim:innen von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Gleichzeitig spielt die spirituelle Dimension eine wichtige Rolle: Gebet, Besinnung und Wohltätigkeit stehen im Mittelpunkt: „Beim Fasten geht es nicht nur um den Verzicht auf Nahrung. Es geht darum, mit den Augen, der Zunge und dem Herzen achtsam zu sein und anderen Menschen keinen Schaden zuzufügen.”
Religionslehrer Herr Schneider erklärte, dass die christliche Fastenzeit traditionell von Aschermittwoch bis Ostern dauert. Während dieser vierzig Tage verzichten viele Christ:innen auf bestimmte Genüsse – Süßigkeiten, Alkohol oder digitale Medien. Ziel sei es, sich stärker auf das Wesentliche zu konzentrieren: „Fasten bedeutet, etwas loszulassen, um etwas zu gewinnen. Vielleicht mehr Zeit für andere Menschen, mehr Ruhe oder einen bewussteren Blick auf das, was im Leben wirklich wichtig ist.“
Beeindruckt zeigten sich die Gäste vor allem davon, dass die Schüler:innen der internationalen Förderklassen und der Fachschule des Sozialwesens persönliche Redebeiträge zum Programm gestalteten. Sie berichteten in eigenen Worten von ihren persönlichen Fastenerfahrungen: „Wenn man gemeinsam fastet und später zusammen isst, entsteht ein starkes Gefühl von Zusammenhalt“. Schülerinnen Lilli und Luna erklärten: „Wir wollen nicht nur nebeneinander lernen, sondern miteinander und voneinander“.
Schüler Maxim, orthodoxer Christ aus der Ukraine und Thamer, muslimischer Schüler aus Syrien, lernen erst seit gut einem Jahr Deutsch. Umso mehr überzeugten ihre eigenständig formulierten und souverän vorgetragenen Gedanken und Erfahrungen.
Nach dem offiziellen Programm versammelte man sich am reichhaltigen internationalen Buffet aus Herzhaftem und Süßem, um gemeinsam das Fastenbrechen zu feiern. In entspannter Atmosphäre entstanden vertiefende Gespräche zwischen Schüler:innen, Lehrkräften und Gästen.
Der Abend zeigte eindrucksvoll, dass Vielfalt nicht nur ein Schlagwort ist, sondern gelebt werden kann. Schulleiter Florian Eckert fasste zusammen: „Wir wünschen uns Räume, in denen Menschen mit unterschiedlichen Traditionen und Perspektiven gemeinsam an einem Tisch sitzen. Hier wurde genau das heute Abend Wirklichkeit.”
Fen, 3/26

